regel zur benutzung eines mahnmals


die betreiber des holocaust-mahmals wünschen sich ordnung:

(1) Das Stelenfeld darf grundsätzlich nur zu Fuß und im Schritt- Tempo durchquert werden.

(2) Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer sind 13 gekennzeichnete Gänge geeignet. Diese Gänge haben ein max. Gefälle von 8 Prozent.

(3) Der Besuch des Stelenfelds erfolgt auf eigene Gefahr Warnhinweise: * Sämtliche Längs- und Querachsen sind lediglich 0,95 Meter breit. * Die kreuzenden Wegachsen sind nur in wenigen Teilbereichen einsehbar. Vorsicht ist geboten.

(4) Nicht gestattet ist: * Lärmen, lautes Rufen, das Benutzen von Musikinstrumenten sowie der Betrieb von Rundfunk- und Tonträgergeräten, soweit über den persönlichen Hörbereich hinausgehend, * das Lagern im Stelenfeld, auf Stelen zu klettern, von Stele zu Stele zu springen und sich in Badebekleidung auf einer Stele zu sonnen. * das Mitführen von Hunden, * das Mitführen von Fahrrädern, Skate-Boards, Roller-Blades, Rollschuhen, * Fahr- und Motorräder an den äußeren Stelen abzustellen, * das Rauchen, der Genuss alkoholischer Getränke und Grillen, * das Stelenfeld zu verunreinigen.

(5) Anordnungen und Anweisungen des ausgewiesenen Sicherheitspersonals sind zu befolgen.

[via njt & katatonik, letzterer ist auch die bildquelle]

der architekt sieht das laut spiegel-interview ein bisschen lockerer und realitätsnäher:

Ich war von Anfang an gegen den Graffitischutz. Wenn ein Hakenkreuz darauf gesprüht wird, dann ist es ein Abbild dessen, was die Menschen fühlen. Wenn es dort bleibt, ist es ein Abbild dessen, was die Regierung davon hält, dass Menschen Hakenkreuze auf das Mahnmal schmieren. Das ist etwas, das ich nicht steuern kann. Wenn man dem Auftraggeber das Projekt übergibt, dann macht er damit, was er will – es gehört ihm, er verfügt über die Arbeit. Wenn man morgen die Steine umwerfen möchte, mal ehrlich, dann ist es in Ordnung. Menschen werden im dem Feld picknicken. Kinder werden in dem Feld Fangen spielen. Es wird Mannequins geben, die hier posieren, und es werden hier Filme gedreht werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie eine Schießerei zwischen Spionen in dem Feld endet. Es ist kein heiliger Ort.

(hervorhebung von mir)

Ein Kommentar to “regel zur benutzung eines mahnmals”

  1. ix schrieb:

    Ein Artikel im Tagesspiegel vom 18.05.2005 (Denkmalstiftung gegen mehr Kontrolle) verspricht ein wenig Hoffnung auf fortgesetze Gelassenheit:

    Wenn die Leute jetzt, am Anfang auf den Stelen springen, picknicken, ihre Hunde mitbringen, habe ich nichts dagegen“, sagt auch Lothar C. Poll vom Förderverein des Denkmals. „Für mich ist das ein Gebrauchsgegenstand.“ Mahnmals-Architekt Peter Eisenman ist begeistert, dass so viel Leben auf dem Stelenfeld ist. Die Mitarbeiter der Denkmalstiftung halten ihn auf dem Laufenden. „Die Leute sitzen, stehen, springen auf allen Mahnmalen dieser Welt. Das ist doch ein Zeichen dafür, dass sie gerne dort sind. Das ist gut.“ Er regt aber an, wie in Kirchen bestimmte Zeiten der Stille und der Kontemplation einzurichten, an denen Störer außen vor gehalten werden.