Archiv für März, 2006

arch@tv: neues von tine & co.

Donnerstag, 23. März 2006

tine hat einen neuen Sendeplatz für ihre einstündige wohnungsverbesserungssause, sie kommt bei rtl jetzt immer schon mittwochs um 20.15 uhr und bringt öfter wiederholungen.

die neue sendung um 21.15 heißt unser neues zuhause. die etwas hibbelige moderatorin verhilft wahlweise einer Familie zu einer Wohnung oder einem haus oder eine bleibe zu einem neuen bewohner (tipp: babies gewinnen immer). nach einer stunde fragt man sich nach dem nutzwert, vor allem wenn zuvor tine mit ihrer vollwertkost lief, und viel zu kurz sind die miniportraits der teilweise sehr interessanten häuser zwischen der öffentlichen wohnungssuche. Aah, jetzt sehe ich: die sendung soll den ratgeber für 2,99 euronen verkaufen.

auch in rtl-familienmitglied vox wird gehämmert, bis die balken biegen, allerdings schaut Unser Traum vom Haus (Dienstag, 22.05 uhr) nur zu. Leider sind da zu viele auf einmal, bei manchen interessanten projekten (zum beispiel dem bunkerumbau) würde ich gerne mehr details sehen, und dafür könnte ich auf die keifenden weiber mit ihren standardmassahäusern gerne verzichten.

neue folgen gibt es auch von rtl2 bei unser haus im glück, (di, 20.15 uhr) die zwischendurch auch mal tine mit ihrer blondfrisur und dem befehlston auf die schippe nehmen.

das sind momente, in denen du merkst: ist halt alles ein großer sandkasten. nur die förmchen sind größer und schwerer geworden.

ground zero stockt

Donnerstag, 23. März 2006

obwohl der grundstein schon seit andertalb jahren in manhatten begraben liegt, am new yorker „ground zero“ wird immer noch nicht gebaut, aber dafür gestritten wie bei den waschweibern. nachdem nicht nur retro-donald daniel liebeskind und seinen entwurf des „freedomtowers“ abgemobbt hat, sondern auch die hafenbehörde und der bauherr larry silverstein seinen entwurf kaputtgeändert haben werfen die beteiligten sich jetzt „habgier“, „betrug von vertrauen“ und „poker-mentalität“ vor. schreibt der tagesspiegel. so wie es aussieht ist eine einigung wer wie baut und wer welche risiko zu tragen hat in weiter ferne und am ehemaligen world trade center wird weiterhin ein grosses loch klaffen. dabei ist doch das was investor larry silverstein der sechs Wochen vor den Anschlägen des 11. september 2001 einen 99 Jahre währenden Leasingvertrag abschloss von der new yorker hafenbehörde verlangt „best practise“: der profit soll schön in privater hand bleiben, das risiko aber auf die allgemeinheit abgewälzt werden. ich dachte so funktioniert kapitalismus? weiterlesen im tagesspiegel.

brad pitt als architektur praktikant

Mittwoch, 22. März 2006

ich hatte ja mal vor einiger zeit rumspekuliert ob brad pitt zusammen mit den berliner architekten „graft“ und george cloony ein hotel in las vegas bauen könnte. vor zehn tagen erschien in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung ein artikel mit dem titel „jammen mit brad pitt“ (ich les da immer „jammern mit brad pitt“). die FAS berichtete darin über die beziehnungen pitts mit dem architekturbüro graft. im titel stand

Das Architektenteam “Graft” aus Berlin hat einen Hollywood-Star als freien Mitarbeiter. Die Boulevardpresse ist entsprechend begeistert.

naja, pitt als freien mitarbeiter kann diesem bild nach wohl auch frank gehry für sich beanspruchen. nichtsdestotrotz, pitt ist wohl extrem architektur-affin und kommt in letzter zeit ja regelmässig nach berlin, das „architektenteam graft“ besucht er anscheinend jedesmal. das führe zu „Fotografen und Kamerateams […] die auch das »Graft«-Büro belagerten“. selbst vor der ablichtung von plänen mit teleobjektiven von der kirche gegenüber scheuen die paparazzi nicht zurück: „Solche Fotos können einiges zunichtemachen”, sagte thomas willemeit der FAS. dass die pläne für ein casino in las vegas sein könnten, spekulierte, wie ich auch, die berliner morgenpost.

graft selbst hält dicht. eine anfrage von mir im juli 2005 blieb unbeantwortet, der faz sagte thomas willemeit offiziell nicht mehr, als daß man mit Pitt „kollaboriere“. der erfolg der projekte hänge auch davon ab, daß sie im entwurfsstadium vertraulich blieben. ein bisschen plaudert er aber doch aus dem nähkästchen:

“Brad interessiert sich extrem für die Dramatik von Räumen, weiß genau, wie man sich darin bewegt, und hat durch seine Erfahrung bei Dreharbeiten ein tolles Gespür für die Wirkung von Licht”, erzählt Willemeit. Nicht von ungefähr sei der Schauspieler mit Star-Architekten wie Rem Koolhaas oder Frank Gehry befreundet. Wenn die Musiker von “Graft” mit dem Schauspieler Pitt über Architektur diskutieren, funktioniere das ähnlich wie bei einer “Jam-Session”, sagt Willemeit. Und so wurde aus dem Bauherren Pitt mit den Jahren nicht nur ein Freund, sondern auch eine Art fester freier Mitarbeiter. Pitts Ideen sind dabei selbst für die experimentierfreudigen “Graft”-Architekten gelegentlich eine Nummer zu groß: “Brad steuert manchmal ein gerüttelt Maß an Größenwahn bei”, schmunzelt Willemeit. Für den schöpferischen Prozeß sei eine gewisse Maßlosigkeit im Denken jedoch gerade nützlich, findet er: “Man muß nach den Sternen greifen, um wenigstens auf dem Gipfel anzukommen.”

Europan 8

Montag, 20. März 2006

Entschieden und bekanntgegeben sind die Gewinner des Europan 8 Wettbewerbes ja schon. Aber die Deutsche Preisverleihung findet noch statt. Am Freitag, den 24. März, in der Akademie der Künste, am Hanseatenweg in Berlin. Neben Hände schütteln, Kafeepause, Ausstellung und Sektempfang werden ausserdem einige Podiumsdiskussionen zu möglicherweise interessanten Stadtthemen stattfinden. Besonders hinweisen möchte ich aber auf den Vortrag von PLOT, einem progressiven Büro aus Kopenhagen. Schade, dass ich nicht hingehen kann….

Transparenz ist teuer

Sonntag, 12. März 2006

der rechtanwalt peter raue jammerte vor ein paar tagen im tagesspiegel über den neubau der akademnie der künste am pariser platz in berlin. im neubau von günter behnisch entdeckte er „verschenkten raum“ und treppen die „Raum einnehmen, Raum verschlingen, Räume verweigern“. keine ahnung welche art von räumen peter raue bevorzugt, aber offenbar bevorzugt er treppenlose und rechtwinklige räume. gestern hat günter behnisch im tagesspiegel geantwortet:

Ja, in der Tat, auch darum ging es: Gerade in dieser wertvollen Lage im Herzen der Hauptstadt öffentlichen Raum auch als Geschenk erlebbar werden zu lassen und nicht wie gewohnt auf maximale Nutzungsdichte hin zu kalkulieren, Treppen nicht in ein Stiegenhaus einzusperren, sondern als Brücken zwischen Alt- und Neubau sichtbar zu machen. Übrigens legte mir schon mein eigenes Alter nahe, neben der Schräge des Foyers gleich zwei Wege zur rollstuhlgerechten Erschließung einzuplanen.

volker schlöndorff gab auch noch ein wenig senf dazu ab. wichtigste erkenntnis:

Transparenz ist teuer.

Renaissance

Donnerstag, 9. März 2006

renaissance

benjamin birkenhake in seinem äusserst empfehlenswerten blog anmut und demut über die renaissance von science fiction, über den film renaissance, bilder und die architektur:

Dabei müsste man es doch eigentlich besser wissen. Ausser Frank O. Gehry gibt es kaume eine ernstzunehmende Architektur seit dem Ende des zweiten Weltkrieges, die in unserem Stadtbild soetwas wie Zukünftigkeit verbreiten würde. In Comics und in den Entwürfen die Architekten so gerne machen sieht alles immer grandios neu aus. Aber wenn die Dinger stehen, zwischen Nachkriegsmoderne, Gründerzeit und Bausünde, bleibt nicht mehr viel Übrig von der großen Zukünftigkeit der Entwürfe. Wir wissen, dass unsere Zukunft nicht in fremdartig wirkenden Städten stattfinden wird, es gibt keine fliegenden Autos, keine Brücken um 20. Stockwerk, keine Gebäude, die wie Berge aus dem Stadtbild aufragen, nur ein paar schönde Hochhäuser an die wir uns längst gewöhnt haben.

man könnte statt frank o. gehry dessen nervige kulissen-architektur meiner meinung nach nur zukunft vorgaukelt — und nicht so sonderlich ernst zu nehmen ist — zum beispiel noch oscar niemeyer oder frank lloyd wright nennen, die es beispielsweise gemessen an werbespots die vor ihren werken gedreht wurden, locker mit frank o. gehry aufnehmen können.

welche architekten könnten noch in dieser liga mitspielen, wer hat „zukünftiges“ im stadtbild verbreitet und mindestens ein, zwei werbespots mit seiner architektur schmücken können?