Archiv für Mai, 2006

ein jahr stelen

Dienstag, 9. Mai 2006

das holocaust-denkmal von peter eisenman wird ein jahr alt. alle zeitungen ziehen bilanz, überall stellen sich die autoren „darf man das“-fragen. der tagesspiegel fragt eisenman direkt: „Aber der Holocaust …“

Trägt das Mahnmal zum Abbau von Antisemitismus bei? Nein. Wird jemand, der da durchläuft, ein besserer Mensch? Nein. Ich glaube auch nicht, dass es darum ging. Das Stelenfeld versucht lediglich, die Vergangenheit zu einem Bestandteil der Gegenwart zu machen.

morgen berichtet der tagesspiegel über einen bekehrten martin walser, der noch mitte der 90er jahre einen „fußballfeldgroßen Alptraum im Herzen der Hauptstdt“ heraufziehen sah:

Ich war jetzt dort, und ich muss sagen, die Berliner haben wirklich Glück gehabt, das ist ein richtiges Kunstwerk. Das ist so beeindruckend, dass jeder da mit sich selber zu tun haben kann. Eisenman ist ein Genie, der hat das hingekriegt. Die Gefahr, dass da etwas Monströses stünde, ist vermieden.

auch eberhard diepgen gesteht, dass er sich geirrt habe.

auch die zerstörungswut hielt sich in grenzen: fünf hakenkreuze, vier davidsterne und ein graffito wurden im ersten jahr des holocaust-denkmals entfernt.

„Wenn man die Größe zuerst denkt, dann bleibt man garantiert immer klein.“

Montag, 8. Mai 2006

das wird ja hier bald ein „graft“-watchblog. aber letzte woche war mal wieder ein netter artikel über graft im tagesspiegel, da muss ich halt nochmal was zum thema schreiben und eine leseempfehlung aussprechen. erstaunlicherweise gings im artikel um mehr als den freund des hauses, brad pitt. grosse teile des artikels drehen sich um die arbeitsweise von graft, schön wird die essenz am ende des artikels zusammengefasst:

Bleibt noch der Bauherr als kreatives Potenzial. Aber was ist schon der Bauherr in der Architektur? Mies van der Rohe hatte seinen Mietern verboten, Gardinen aufzuhängen und Blumentöpfe in die Fenster zu stellen, weil sie sein gestalterisches Ganzes zerstören würden. Das halten sie nicht für nötig. „Wenn wir bei einem Auftraggeber nachher bemerken, dass der überall Gartenzwerge hinstellt, haben wir was falsch gemacht“, sagt Lars. „Dann hätten wir nämlich von Anfang an mit Gartenzwergen gearbeitet!“

Der spätere Bewohner des Hauses ist nicht die Bedrohung der Kunst, er ist ihr Komplize. Das unterscheidet sie in einer Branche, in der viele die Bewohner ihrer Häuser verachten, und glauben, diese müssten zu ästhetischen Prinzipien erst erzogen werden. Für die drei von „Graft“ ist es das größte Glück, einen Auftraggeber zu finden, der Ideen hat und sich was traut. (weiterlesen)

die jungs von graft sind besessen, oder netter ausgedrückt, voller leidenschaft für architektur. sie bauen nicht um für promis zu bauen, sie bauen nicht um berühmt zu werden oder sich den arsch golden zu verdienen, sie tun es weil es ihnen spass macht und weil sie es können. und sie können es unter anderem auch deshalb, weil sie sich hervorragend ergänzen. eigentlich arbeiten sie so, wei ein guter blogger auch arbeiten sollte: leidenschaft und freude am erschaffen von neuem:

Doch den Erfolg, sagt Wolfram Putz, dürfe man nie vom Erfolg her denken, und Größe nicht von Größe. „Wenn man die Größe zuerst denkt, dann bleibt man garantiert immer klein.“

die jungs werden noch ganz gross. ob mit oder ohne pitt.