was ist gute architektur?

eine frage die sich mir so gar nicht stellt, aber aedes west heute abend mit hilfe von kristin feireiss, michael schindhelm, konrad wohlhage und jürgen tietz beantworten will. bevor ich in die aedes-architektur-galerie ging habe ich schonmal mein feierabendbier in einem restaurant daneben zu mir genommen. auch hier eine kleine podiumsdiskussion, allerdings zum thema was ist eine attraktive weibliche bedienung? die antwort auf eine gar nicht gestellte frage gab ein herr am nebentisch seinem smalltalk-partner: „war nett, das mäuschen, ne? hö, hö.”

ich hoffe die diskussion nebenan wird gleich etwas gehaltvoller.

19:40-20:04: erstaunlich voll die veranstaltung. ersatzstühle müssen herbeigeschaft werden. gegen viertel vor acht erklärt kristin feireiss, dass es einvon jürgen tietz herausgegebenes buch gibt mit dem titel „was ist gute architektur”. aha. tietz werde auch die veranstaltung moderieren. tietz ergänzt, er habe auch keine ahnung was gute architektur sei, deshalb habe er andere leute gefragt was sie dafür hielten. er habe architekten, kritiiker aber auch die „opfer”, die nutzer moderner architektur gefragt. es gab für die 21 beiträge ein paar spielregeln: es solle um nur ein gebäude aus dem 20ten jahrhundert gehen, es dürfe sich nicht um ein eigenes gebäude handeln und der beitrag dürfe nicht länger als zwei seiten sein. und überraschung, aus dem buch von tietz werde heute abend, ungewöhnlich für architekten wie es hiess, vorgelesen werden.

offenbar ist die schrift des buches so klein gewählt, dass 3 der vier vorlesenden sich die passagen die sie vorlesen wollten gross kopierten. die drei texte die bis jetzt vorgelesen wurden sind unfassbar langweilig. pathetisches geschwurbel, deren autoren man nicht erkennt weil ihre namen nicht verlesen wurden. vermutlich haben sie jeweils ihre eigenen texte vorgelesen.

ich weiss nicht, gerade frage ich mich ob man über architektur wirklich schreiben oder reden sollte oder sie in eine galerie stecken. das ist doch ziemlich langweilig. es gibt durchaus gute architektur vorträge, aber die die ich bisher sah waren euphorisch vorgetragen und mit mindestens 60 dias pro minute illustriert. gerade fällt der satz: „dieser raum ist gefrorene musik.” keine ahnung wer das schrieb, vorgelesen hat es konrad wohlhage, es geht um die philharmonie von scharoun in berlin. ich glaube mir wird schlecht und fürchte wohlhage hat es selbst geschrieben.

20:10-20:30: die vorleserei hat ein ende, tietz bitet um eine rege diskussion und fragt nach kriterien für gute architektur. wohlhage wiederholt ungefähr 20 mal, dass es toll und wichtig sei, wenn architektur emotionalisieren kann. er spricht von emphatischen plätzen. nicht empathischen, sondern mit „pff” nach dem „m”. er versuche mit seiner architektur „zu emotionalisieren”. vor architektur könne man sich nicht schützen. er redet von archetypen, vom emotionalisieren. wir können uns nicht distanzieren vor architektur, vor räumen. aha. frau feireiss wurde von schindhelms text emotional berührt. sie fände es toll wennn mehr schriftsteller über architektur schreiben würden. finde ich auch.

michael schindhelm ist der erste den ich verstehe, der nicht nur schwadroniert sondern etwas sagt. da er sehr viel sagt ist es nicht ganz einfach das wiederzugeben. er spricht von der rückgewinnung des öffentlichen raumes, vom terror des intimen, von der gestaltenden kraft der architektur, von mehrwert. er redet von menschen, nicht von nutzern, spricht davon dass menschen die leeren hüllen der architektur erst zu räumen machen. er outet sich als freund von herzog de meuron. er meint als architekturkritiker sei er nicht geeignet, er wolle nicht über schlechte architektur reden, nur feiern und verehren und meint er könne ein ganzes buch mit architektur von herzog de meuron füllen.

feireiss meint es werde nciht genug gute architektur gezeigt, es werde nicht genug über gute architektur gesprochen. diese anregung nimmt wohlhage als vorlage und fragt schindhelm nach theaterräumen, nach bühnenbildern und dass man dort ja nur wenige bestimmte aspekte der welt herausgreifen könne. schindhelm meint sowohl im bühnenbild als auch in der moderenen architektur werden immer mehr bestimmte aspekte herausgegriffen und herausgearbeitet. aha. ich lerne, räume kann man entdecken und finde man sollte vielleicht wirkklich weniger über architektur reden. ich empfinde schmerzhafte langeweile udn werde jetzt erstnoch mal emails checken und mich dann zu einem weiteren feierabendbier aufmachen.

4 Kommentare to “was ist gute architektur?”

  1. ben_ schrieb:

    Ach, das ist so schön, dass es diese Blog gibt. Leider schreibt ihr hier viel zu wenig. Aber leider lesen es wahrscheinlich auch viel zu wenige. Ich genieße es auf jeden Fall sehr.

    Ich habe ja das Glück mit einem Architekten und Freund 4 Tage die Woche eine Wohnung zu teilen. Ich weiß gar nciht warum ich das schreibe. Egal. Weniger Klugschiß mehr Schönheit. Anmut und Demut halt. 😉

  2. ix schrieb:

    danke für das kompliment und leider hast du recht, dass wir hier im rlog hinter unseren erwartungen zurückgeblieben sind. ich warte immer wieder drauf, dass die muse mich küsst und inspiriert, manchmal, wie gestern spuckt sie mich leider dann eher an.

    sonst mangelt es natürlich auch ständig an allem, vor allem an priorität, bei all dem anderen scheiss der sich so in der prioritätenliste nach vorne stellt. aber wem sag ich das?

  3. tf schrieb:

    sehr guter beitrag, ix! auch ich finde, dass rlog hinter den erwartungen zurückgeblieben ist, aber es liegt nicht an „unseren“ prioritäten. nach fast zwei jahren sieht man, dass das bedürfnis, über architektur zu schreiben und zu diskutieren geringer ist, als ich gedacht hatte. es nützt nichts, die architekturdiskussion aus dem kreis der hochglänzenden oder leicht überformatigen fachzeitschriften rausholen zu wollen – der tolle „user generated content“ findet einfach nicht statt und davon lebt die ins-internet-schreiberei nunmal. @ben: wir schreiben hier so viel, wie uns einfällt… für mich ist eine wesentliche erfahrung aus rlog, dass „ins internet schreiben“ etwas ganz anderes ist, als im büro, in der kneipe, an der uni über architektur zu diskutieren oder für fachzeitschriften zu schreiben. mal sehen, was draus wird.

  4. targa schrieb:

    Liebe(r) ix, nach Deinem Artikel zu urteilen wundert es mich nicht, dass Dich die Muse nicht küsst. Offensichtlich fehlt es Dir an der notwendigen Fachkenntnis und Sensibilität. Ich empfehle: Bleib bei Deinem Bier und guck Fußball. Den Rest solltest Du anderen überlassen. Und tf: Fachzeitschriften haben den Vorteil, dass sich Fachleute austauschen. Das hat mehr Gehalt.