hauptbahnhof soll gewölbe bekommen

Dienstag, 28. November 2006

wie bereits einmal hier erwäjnt klagt der architekt des berliner hauptbahnhofs, meinhard von gerkan, gegen die bahn die seiner ansicht nach die decke der unteren halle mit einer abgehängten decke verschandelt habe. gerkan hatte eien art gewölbedecke geplant, die die bahn gegen eine günstigere abgehängte decke ersetzte, gegen den willen des architekten. nun hat offenbar der architekt in einer instanz recht bekommen.

das handelsblatt schreibt:

Die Bahn bezifferte die Umbaukosten nach diesem Urteil auf rund 40 Mill. Euro. Es wären drei Jahre Bauzeit notwendig. Das Büro von Gerkans geht für den Umbau von Kosten von weniger als 20 Mill. Euro aus. Die Arbeiten würden den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigen.

bilder von der gewölbedecke konnte ich so auf anhieb nicht finden, weder bei gmp noch sonstwo. ausser dem hier evtl.

ein jahr stelen

Dienstag, 9. Mai 2006

das holocaust-denkmal von peter eisenman wird ein jahr alt. alle zeitungen ziehen bilanz, überall stellen sich die autoren „darf man das“-fragen. der tagesspiegel fragt eisenman direkt: „Aber der Holocaust …“

Trägt das Mahnmal zum Abbau von Antisemitismus bei? Nein. Wird jemand, der da durchläuft, ein besserer Mensch? Nein. Ich glaube auch nicht, dass es darum ging. Das Stelenfeld versucht lediglich, die Vergangenheit zu einem Bestandteil der Gegenwart zu machen.

morgen berichtet der tagesspiegel über einen bekehrten martin walser, der noch mitte der 90er jahre einen „fußballfeldgroßen Alptraum im Herzen der Hauptstdt“ heraufziehen sah:

Ich war jetzt dort, und ich muss sagen, die Berliner haben wirklich Glück gehabt, das ist ein richtiges Kunstwerk. Das ist so beeindruckend, dass jeder da mit sich selber zu tun haben kann. Eisenman ist ein Genie, der hat das hingekriegt. Die Gefahr, dass da etwas Monströses stünde, ist vermieden.

auch eberhard diepgen gesteht, dass er sich geirrt habe.

auch die zerstörungswut hielt sich in grenzen: fünf hakenkreuze, vier davidsterne und ein graffito wurden im ersten jahr des holocaust-denkmals entfernt.

Transparenz ist teuer

Sonntag, 12. März 2006

der rechtanwalt peter raue jammerte vor ein paar tagen im tagesspiegel über den neubau der akademnie der künste am pariser platz in berlin. im neubau von günter behnisch entdeckte er „verschenkten raum“ und treppen die „Raum einnehmen, Raum verschlingen, Räume verweigern“. keine ahnung welche art von räumen peter raue bevorzugt, aber offenbar bevorzugt er treppenlose und rechtwinklige räume. gestern hat günter behnisch im tagesspiegel geantwortet:

Ja, in der Tat, auch darum ging es: Gerade in dieser wertvollen Lage im Herzen der Hauptstadt öffentlichen Raum auch als Geschenk erlebbar werden zu lassen und nicht wie gewohnt auf maximale Nutzungsdichte hin zu kalkulieren, Treppen nicht in ein Stiegenhaus einzusperren, sondern als Brücken zwischen Alt- und Neubau sichtbar zu machen. Übrigens legte mir schon mein eigenes Alter nahe, neben der Schräge des Foyers gleich zwei Wege zur rollstuhlgerechten Erschließung einzuplanen.

volker schlöndorff gab auch noch ein wenig senf dazu ab. wichtigste erkenntnis:

Transparenz ist teuer.

im büro kleihues ist alles in ordnung

Freitag, 27. Januar 2006

die berliner zeitung schreibt über die planung des berliner büro kleihues für den neubau des bundesnachrichtendienstes in berlin. der architekt jan kleihues sässe bereits seit wochen mit einem dutzend mitarbeitern an den plänen — und zwar in einem containerdorf in der „Berliner BND-Dependance am Gardeschützenweg in Lichterfelde, geschützt von modernster Sicherheitstechnik“. der bnd „prüft“ und „schützt“:

Die Mitarbeiter von Kleihues sowie die Fachplaner mussten sich vorher einem Sicherheitscheck unterziehen. Dabei wird überprüft, ob sich jemand etwas hat zu Schulden kommen lassen und ob jemand abhängig oder erpressbar ist. „Bei uns sind alle durch die Untersuchung durchgekommen“, sagt Kleihues (Berliner Zeitung)

gut zu wissen, dass kleihues nur einwandfreie mitarbeiter hat. ix gratuliere, somit ist kleihues wohl das schuldfreieste, unabhängigste und unerpressbarste architektur-büro deutschlands.

gerkan klagt gegen bahn

Freitag, 22. Juli 2005

hauptbahnhof berlin
der „stararchitekt“ meinhard von gerkan, dessen büro von gerkan, marg und partner den berliner hauptbahnhof (aka lehrter stadtbahnhof) plante, klagt gegen seinen auftraggeber, die bahn. vor ein paar jahren habe die bahn das glasdach des bahnhofs um 100 meter verkürzt um kosten zu sparen und dann auch noch die gewölbeartige dachkonstruktion der unteren halle mit einer abgehängten decke versehen. die bahn habe mit der eingezogenen „08/15-Decke alles zunichte gemacht“.

gerkan hat offenbar die schnauze voll, verhandlungen seien nicht möglich gewesen und bahnchef hartmut mehdorn habe selbst den klageweg empfohlen:

Stellen Sie sich eine gotische Kathedrale mit ihren Gewölben vor. Wir hatten ebenfalls hohe Räume vorgesehen, die aus dem Bahnhof eine Kathedrale des Verkehrs gemacht hätten, mit einem ausgeklügelten Konzept indirekter Beleuchtung. Was jetzt passiert, ist so, als würden Sie im Kölner Dom eine Zwischendecke einziehen, mit einer 08/15-Konstruktion wie bei Aldi. Von dieser mutwilligen, nicht abgestimmten Verschandelung müssen wir uns mit dieser Klage deutlich distanzieren.

(berliner morgenpost)

mit seiner klage will der architekt einen baustopp und den rückbau der „08/15“ baumassnahmen der bahn erreichen.

ich mach mir da keine sorgen. sobald die ersten glasplatten von der decke aus der grandiosen, kathedralen-gleichen konstruktion fallen, wird der bahnhof eh gesperrt. auf immer und ewig.

mehr beim tagesspiegel, bei gerkan und marg und im interview der mopo und der welt.

[bildquelle]

„reihen.häuser“

Montag, 18. Juli 2005

ausstellung „reihen.häuser — wohnen side by side“ von suitcasearchitecture. vernissage 22.07.2005 um 19:00h, ausstellung geöffnet bis ende august.

In den 90er Jahren wiederentdeckt, erlebt das Reihenhaus in Europa zur Zeit einen regelrechten Bauboom. Die Galerie suitcasearchitecture in Berlin-Prenzlauerberg präsentiert sechs beispielhafte Projekte junger Architekten, die sich mit den Möglichkeiten des Typus „Reihenhaus“ in und um Berlin auseinandergesetzt haben.

die ganze pressemeldung und mehr kladeradatsch hier.

besonders hübsch und liebevoll gestaltet die liste der unterstützer. so wird man als kultur-unterstützer doch gerne beworben: suitcasearchitecture

regel zur benutzung eines mahnmals

Sonntag, 15. Mai 2005


die betreiber des holocaust-mahmals wünschen sich ordnung:

(1) Das Stelenfeld darf grundsätzlich nur zu Fuß und im Schritt- Tempo durchquert werden.

(2) Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer sind 13 gekennzeichnete Gänge geeignet. Diese Gänge haben ein max. Gefälle von 8 Prozent.

(3) Der Besuch des Stelenfelds erfolgt auf eigene Gefahr Warnhinweise: * Sämtliche Längs- und Querachsen sind lediglich 0,95 Meter breit. * Die kreuzenden Wegachsen sind nur in wenigen Teilbereichen einsehbar. Vorsicht ist geboten.

(4) Nicht gestattet ist: * Lärmen, lautes Rufen, das Benutzen von Musikinstrumenten sowie der Betrieb von Rundfunk- und Tonträgergeräten, soweit über den persönlichen Hörbereich hinausgehend, * das Lagern im Stelenfeld, auf Stelen zu klettern, von Stele zu Stele zu springen und sich in Badebekleidung auf einer Stele zu sonnen. * das Mitführen von Hunden, * das Mitführen von Fahrrädern, Skate-Boards, Roller-Blades, Rollschuhen, * Fahr- und Motorräder an den äußeren Stelen abzustellen, * das Rauchen, der Genuss alkoholischer Getränke und Grillen, * das Stelenfeld zu verunreinigen.

(5) Anordnungen und Anweisungen des ausgewiesenen Sicherheitspersonals sind zu befolgen.

[via njt & katatonik, letzterer ist auch die bildquelle]

der architekt sieht das laut spiegel-interview ein bisschen lockerer und realitätsnäher:

Ich war von Anfang an gegen den Graffitischutz. Wenn ein Hakenkreuz darauf gesprüht wird, dann ist es ein Abbild dessen, was die Menschen fühlen. Wenn es dort bleibt, ist es ein Abbild dessen, was die Regierung davon hält, dass Menschen Hakenkreuze auf das Mahnmal schmieren. Das ist etwas, das ich nicht steuern kann. Wenn man dem Auftraggeber das Projekt übergibt, dann macht er damit, was er will – es gehört ihm, er verfügt über die Arbeit. Wenn man morgen die Steine umwerfen möchte, mal ehrlich, dann ist es in Ordnung. Menschen werden im dem Feld picknicken. Kinder werden in dem Feld Fangen spielen. Es wird Mannequins geben, die hier posieren, und es werden hier Filme gedreht werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie eine Schießerei zwischen Spionen in dem Feld endet. Es ist kein heiliger Ort.

(hervorhebung von mir)

holocaust-mahnmal

Donnerstag, 12. Mai 2005

holocaust-mahnmal
sehr schöne bilder vom holocaust-mahnmal von offshore.

watch these flickr tags: memorial & mahnmal

telekom haus

Donnerstag, 28. April 2005

t-com haus in berlin
das telekom haus in berlin (wir berichteten), in seiner vollen pracht (rechts).

ehrlichgesagt frage ich mich nachdem ich das bild gesehen habe, ob dieses haus eigentlich nur ein witz ist. ein verspäteter aprilscherz, eine art meta-scherz um zu testen ob die presse der telekom-presseabteilung jeden mist abkauft.

aber offensichtlich ist diese visuelle beleidigung ernst gemeint. eventuell sollte man der telekom danken, dass sie noch ein bisschen provinz in die hauptstadt trägt. nachdem ich das t-com haus gesehen habe, kann ich mich wieder über jeden plattenbau, über jede bröckelnde fassade und jede brache freuen.

[bildquelle]